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Projektbeschreibung KIGaR

KI in der Grundschule anwendungsorientiert in Regensburg

KI-Meta-Modell - Konzeptionelle Darstellung

Das KI-Meta-Modell strukturiert die multiperspektivische Auseinandersetzung mit KI

Kurzdarstellung

KIGaR ist ein partizipatives Bildungsprojekt an der Universität Regensburg, das Lehramtsstudierende befähigt, kindgerechte KI-gestützte Lernszenarien für den Grundschulunterricht zu entwickeln, zu erproben und kritisch zu reflektieren. Das Projekt verbindet handlungsorientierte Medienpädagogik mit bildungsphilosophischer Reflexion und versteht den verantwortungsvollen Umgang mit KI als gesellschaftliche und pädagogische Gestaltungsaufgabe.

Ausgangslage und Problemstellung

Die rasante Entwicklung von KI-Systemen stellt das Bildungswesen vor grundlegende Herausforderungen. Während technische Kompetenzen wie Prompt-Literacy zunehmend vermittelt werden, bleiben tieferliegende Fragen oft unbearbeitet: Wie verändert KI unser Verständnis von Lernen, Mündigkeit und Bildung? Wie lassen sich KI-Systeme pädagogisch sinnvoll und kindgerecht in schulische Lernprozesse integrieren?

Bisherige medienpädagogische Ansätze oszillieren häufig zwischen instrumenteller Kompetenzförderung und kulturkritischer Analyse, ohne Lehrenden und Lernenden konkrete Gestaltungsmöglichkeiten zu eröffnen. KIGaR begegnet diesem Defizit durch einen handlungsorientierten Zugang, der theoretische Reflexion und praktische Gestaltung verschränkt.

Theoretische Fundierung

Das Projekt basiert auf drei konzeptionellen Säulen:

Das KI-Meta-Modell

Das KI-Meta-Modell strukturiert die multiperspektivische Auseinandersetzung mit KI. Es verbindet die analytische, reflexive und gestaltungsorientierte Perspektive des Frankfurt-Dreiecks mit ethischen Fragestellungen und der Entwicklung kritischer Handlungs- und Urteilsfähigkeit. Informatisches Denken, Verantwortungsmacht und Mündigkeit bilden dabei die zentralen Bezugspunkte.

Handlungsorientierte Medienpädagogik

Handlungsorientierte Medienpädagogik ermöglicht es, abstrakte Fragen in erfahrbare Gestaltungsprozesse zu übersetzen. Im Sinne von Deweys "learning by doing" werden Studierende zu aktiven Produzent:innen, die durch das Konfigurieren von KI-Systemen unmittelbar erleben, was kindgerechte und pädagogisch sinnvolle Technologiegestaltung bedeutet.

Kultur der Partizipation

Die Kultur der Partizipation bildet den normativen Rahmen. Sie betont Mitgestaltung, Mitsprache und Mitbestimmung als Gegenentwurf zu Tendenzen der Kommerzialisierung und algorithmischen Kontrolle im Bildungsbereich. Der Primat des Pädagogischen bleibt dabei leitendes Prinzip.

Zielsetzungen

KIGaR verfolgt Ziele auf mehreren Ebenen:

1

Studierende erwerben medienpädagogische und medienethische Kompetenzen, die wissensbasierte und handlungsorientierte Dimensionen verbinden. Sie setzen sich mit Potenzialen und Risiken des KI-Einsatzes auseinander, erweitern ihr fachdidaktisches Know-how für die kindgerechte Gestaltung digitaler Lernumgebungen und schärfen ihre Reflexionsfähigkeit hinsichtlich bildungsphilosophischer und gesellschaftlicher Implikationen.

2

Grundschulkinder werden befähigt, sich aktiv, kritisch und selbstbestimmt mit KI auseinanderzusetzen. Die entwickelten Szenarien fördern Medienkritik, kritisches Denken, Selbststeuerung und kollaboratives Arbeiten in intrinsisch motivierenden Spielkontexten.

3

Auf systemischer Ebene trägt das Projekt zur Professionalisierung der Lehrkräftebildung bei und schafft transferfähige Modelle für die Integration von KI in schulische Bildungsprozesse.

Methodisches Vorgehen

Das Projekt ist als Design-based-Research-Studie angelegt und gliedert sich in mehrere Phasen:

Phase 1: Theoretische Grundlagen

In der ersten Phase erarbeiten Studierende in sozialkonstruktivistisch angelegten Seminaren theoretische Grundlagen zu KI, Bildung und Partizipation. Gemeinsam mit Expert:innen aus Wissenschaft, Bildungspraxis und Kultur diskutieren sie zentrale Fragestellungen.

Phase 2: Spielentwicklung

Die zweite Phase fokussiert die Spielentwicklung als Lern- und Reflexionsraum. In Teams konzipieren Studierende KI-gestützte edukative Spiele für den Sachunterricht. Sie konfigurieren Systeme so, dass diese kindgerecht und sicher interagieren, pädagogisch sinnvolle Unterstützung bieten ohne zu bevormunden, ethische Implikationen thematisieren und Kreativität fördern.

Phase 3: Erprobung

In der dritten Phase werden die entwickelten Szenarien an kooperierenden Regensburger Grundschulen erprobt. Studierende führen Unterrichtseinheiten durch und dokumentieren diese videobasiert. Teilnehmende Beobachtungen und Gespräche mit Lehrpersonen und Kindern ergänzen die Datenerhebung.

Phase 4: Reflexion

Die vierte Phase dient der vertieften Reflexion. Studierende produzieren dialogische Podcasts, in denen sie bildungsphilosophische Fragen bearbeiten, und verfassen wöchentliche Reflexionsbriefe. Eine öffentliche hybride Lehr- und Lerntagung bildet den Abschluss.

Kooperationsstruktur

KIGaR ist als dialogisch verzahnte Bildungslandschaft konzipiert, die Hochschule, Schule und außerschulische Lernorte verbindet. Die Universität Regensburg bildet den wissenschaftlichen Rahmen, kooperierende Grundschulen ermöglichen die praktische Erprobung, und Expert:innen aus verschiedenen Disziplinen bereichern die interdisziplinäre Perspektive.

Erwartete Ergebnisse

Das Projekt generiert mehrere Ergebnistypen:

  • Konkrete KI-gestützte Unterrichtsszenarien für den Sachunterricht, die als Open Educational Resources verfügbar gemacht werden.
  • Empirische Erkenntnisse darüber, wie Kinder mit KI-Systemen interagieren und welche pädagogischen Interventionen eine reflektierte Nutzung fördern.
  • Transferfähige Seminarkonzepte für die Lehrkräftebildung, die handlungsorientierte Medienpädagogik mit kritischer KI-Reflexion verbinden.

Relevanz und Ausblick

KIGaR adressiert eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung: Die Gestaltung des Umgangs mit KI im Bildungsbereich erfordert breite Beteiligung und kritische Reflexion. Handlungsorientierte Medienpädagogik schafft Räume, in denen diese Mitgestaltung praktisch eingeübt werden kann.

Das Projekt versteht sich als Beitrag zu einer Kultur der Partizipation, die Lernende nicht als passive Konsument:innen, sondern als aktive Co-Gestalter:innen einer digitalisierten Gesellschaft begreift.

Weiterführende Literatur

Autenrieth, D., & Nickel, S. (2025). Mensch, KI und Bildung im Spiegel philosophischer und medienpädagogischer Reflexion: Handlungsorientierte Medienpädagogik und AI-Alignment. Medienimpulse, 63(3), 53 Seiten. https://doi.org/10.21243/mi-03-25-20

Autenrieth, D., & Nickel, S. (2023). Das KI-Meta-Modell. Handlungsleitende Strukturen für den Umgang mit künstlicher Intelligenz im Bildungsbereich. technik-education (tedu). Fachzeitschrift für Unterrichtspraxis und Unterrichtsforschung im allgemeinbildenden Technikunterricht, 3(2), 14–20. https://doi.org/10.25656/01:28646

Autenrieth, D. (2025). How AI Systems Think About Education. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.18056112